Warum Gutverdienende Immobilien kaufen sollten – auch wenn der Cashflow negativ ist

Autor: Dominik Kassel

Dieser Artikel widerspricht dem, was ich dir in anderen Artikeln erklärt habe. Zumindest auf den ersten Blick. Ich habe dir gezeigt, wie wichtig positiver Cashflow ist. Wie eine Immobilie für sich selbst arbeiten sollte. Wie der Mieter die Finanzierung tragen soll.

Und jetzt sage ich dir: Wenn du gut verdienst, kann eine Immobilie mit negativem Cashflow die klügste Entscheidung sein, die du für dein Vermögen triffst.

Das ist kein Widerspruch. Es ist eine Differenzierung. Und diese Differenzierung – je nach persönlicher Steuersituation – kann den Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer hervorragenden Investitionsentscheidung ausmachen.

Lass mich erklären, warum.

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Warum Steuersatz alles verändert – der entscheidende Kontext

Um zu verstehen, warum ein negativer Cashflow für Gutverdienende sinnvoll sein kann, musst du zunächst verstehen, wie das Steuerrecht bei Vermietung funktioniert.

Als Vermieter erzielst du Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Diese werden mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert – nicht mit der pauschalen Abgeltungssteuer von 25 Prozent. Und hier liegt der entscheidende Punkt: Der persönliche Steuersatz steigt mit dem Einkommen.

Wer 30.000 Euro im Jahr verdient, zahlt einen Grenzsteuersatz von rund 30 Prozent. Wer 80.000 Euro verdient, liegt bei etwa 42 Prozent. Wer 150.000 Euro oder mehr verdient, zahlt den Spitzensteuersatz von 45 Prozent – zuzüglich Solidaritätszuschlag.

Das bedeutet: Je höher dein Einkommen, desto mehr wert ist jeder steuerliche Verlust aus der Vermietung. Ein Verlust von 10.000 Euro aus Vermietung spart jemandem mit 30 Prozent Steuersatz 3.000 Euro. Jemandem mit 45 Prozent Steuersatz spart er 4.500 Euro. Plus Solidaritätszuschlag.

Und genau hier liegt das Geheimnis, das viele Immobilienbücher verschweigen.

Der Schmerz – was Gutverdienende ohne Immobilien verlieren

Ich habe viele Menschen erlebt, die gut verdienen – Ärzte, Anwälte, Ingenieure, Führungskräfte – die jeden Monat einen erheblichen Teil ihres Einkommens ans Finanzamt überweisen. Ohne zu wissen, dass es legale Möglichkeiten gibt, diese Last erheblich zu reduzieren.

Ein konkretes Beispiel: Jemand verdient 120.000 Euro brutto im Jahr. Nach Steuern und Sozialabgaben bleiben vielleicht 70.000 bis 75.000 Euro. Das Finanzamt hat also rund 45.000 bis 50.000 Euro bekommen. Jedes Jahr. Ohne Gegenleistung.

Und dieser Mensch sitzt zuhause, zahlt Miete – und hilft damit dem Vermieter, sein Vermögen aufzubauen. Während er selbst keines aufbaut. Während er weiter einen Großteil seines Einkommens ans Finanzamt überweist.

Das ist der eigentliche Schmerz. Nicht der negative Cashflow einer Immobilie. Sondern die verpasste Chance, das Steuersystem legal für sich zu nutzen.

„Wer viel verdient und keine Immobilien hat, arbeitet für das Finanzamt. Wer Immobilien hat, lässt das Finanzamt für sich arbeiten.“

Wie negativer Cashflow für Gutverdienende funktioniert – das konkrete Beispiel

Lass mich das mit einem konkreten Zahlenbeispiel greifbar machen. Denn Theorie ist gut – aber Zahlen überzeugen.

Annahme: Du verdienst 100.000 Euro im Jahr als Angestellter. Dein Grenzsteuersatz beträgt etwa 42 Prozent. Du kaufst eine Eigentumswohnung für 300.000 Euro in einer guten Lage. Gebäudeanteil: 70 Prozent = 210.000 Euro. Eigenkapital: 70.000 Euro. Kredit: 230.000 Euro zu 3,5 Prozent Zinsen.

Deine monatliche Einnahme-Ausgaben-Rechnung:

Mieteinnahme: 900 Euro kalt.
Finanzierungsrate (Zinsen + Tilgung): 1.150 Euro.
Nicht umlagefähige Kosten: 150 Euro.
Monatlicher Cashflow: minus 400 Euro.

Auf den ersten Blick: Du zahlst jeden Monat 400 Euro drauf. Das klingt schlecht. Aber schau dir die steuerliche Realität an.

Deine steuerliche Jahresrechnung:

Mieteinnahmen: 10.800 Euro.
Absetzbare Kosten:
– Zinsen: ca. 7.700 Euro
– AfA (2% von 210.000 Euro): 4.200 Euro
– Nicht umlagefähige Kosten: 1.800 Euro
– Instandhaltungsrücklage: 1.200 Euro
Gesamtkosten: 14.900 Euro.

Steuerlicher Verlust aus Vermietung: 14.900 minus 10.800 = 4.100 Euro Verlust.

Dieser Verlust wird von deinem Gehalt abgezogen. Statt 100.000 Euro versteuert du effektiv nur 95.900 Euro. Bei 42 Prozent Grenzsteuersatz sparst du: 1.722 Euro Steuern auf dein Gehalt.

Jetzt die Gesamtrechnung. Du zahlst monatlich 400 Euro drauf = 4.800 Euro im Jahr. Aber du sparst 1.722 Euro Steuern. Deine tatsächliche Nettobelastung: 3.078 Euro im Jahr – oder rund 257 Euro im Monat.

Und wofür? Dafür, dass dein Mieter jeden Monat rund 500 Euro Tilgung auf deinen Kredit zahlt. Dein Eigenkapital in der Immobilie wächst also monatlich um 500 Euro – durch fremdes Geld. Und die Immobilie steigt langfristig im Wert.

Du zahlst effektiv 257 Euro im Monat – und baust damit monatlich 500 Euro Eigenkapital auf. Du bekommst mehr als das Doppelte deines Einsatzes zurück. In Form von Vermögen, das still und konsequent wächst.

Die drei Faktoren die das Bild komplett machen

Der negative Cashflow allein ist nicht das Argument. Das Argument ist die Kombination aus drei Faktoren, die bei Gutverdienenden gleichzeitig wirken.

Faktor eins: Steuerersparnis durch Verlustverrechnung. Wie gezeigt, reduziert der steuerliche Verlust aus der Vermietung die Steuerlast aus dem Gehalt. Je höher der Steuersatz, desto größer dieser Effekt. Bei 45 Prozent Spitzensteuersatz ist jeder Euro steuerlicher Verlust 45 Cent wert. Das verwandelt einen nominell negativen Cashflow in eine deutlich geringere reale Belastung.

Faktor zwei: Tilgung durch den Mieter. Auch wenn der Mieter die gesamte Rate nicht trägt – er trägt einen erheblichen Teil. Jeder Euro Tilgung, den der Mieter mitfinanziert, ist ein Euro, der dein Eigenkapital aufbaut. Das ist realer Vermögensaufbau, der im Cashflow nicht sichtbar ist – aber auf deiner Bilanz sehr wohl.

Faktor drei: Wertsteigerung. Eine gut gewählte Immobilie in einer starken Lage steigt langfristig im Wert. Diese Wertsteigerung ist kein Cashflow – aber sie ist reales Vermögen. Und nach zehn Jahren Haltedauer ist der Verkaufsgewinn vollständig steuerfrei. Das macht langfristigen Wertzuwachs besonders attraktiv.

Addiere alle drei Faktoren zusammen – und ein nominell negativer Cashflow verwandelt sich in ein sehr attraktives Gesamtpaket für Menschen mit hohem Einkommen.

Für wen das besonders interessant ist – und für wen nicht

Ich möchte klar sein: Das Modell funktioniert nicht für jeden. Es ist keine universelle Strategie. Es ist eine Strategie für eine spezifische Situation.

Besonders interessant für: Menschen mit hohem Einkommen und entsprechend hohem Grenzsteuersatz. Angestellte, Selbstständige, Freiberufler in den oberen Einkommensklassen. Menschen, die erhebliche Steuern zahlen und legale Wege suchen, diese zu reduzieren. Menschen mit ausreichend Liquidität, um den negativen Cashflow tragen zu können – ohne in finanzielle Not zu geraten.

Weniger geeignet für: Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, bei denen der steuerliche Hebel gering ist. Menschen, die monatlich keinen finanziellen Puffer haben, um den negativen Cashflow zu tragen. Menschen, die auf sofortigen Cashflow angewiesen sind – etwa weil sie ihr Haupteinkommen reduzieren wollen.

Die Faustregel: Je höher dein Steuersatz, desto attraktiver wird der steuerliche Verlust aus der Vermietung – und desto eher lohnt sich eine Immobilie auch mit negativem Cashflow. Unter einem Grenzsteuersatz von etwa 35 Prozent sollte man eher auf positive oder neutrale Cashflow-Objekte setzen.

Denkmalimmobilien – das Extrem dieser Strategie

Wer diese Logik konsequent weiterdenkt, landet bei einer Immobilienkategorie, die speziell für Gutverdienende entwickelt wurde: denkmalgeschützte Immobilien.

Bei Denkmalimmobilien können Sanierungskosten mit erhöhten AfA-Sätzen von bis zu 9 Prozent jährlich abgeschrieben werden – über zwölf Jahre. Das bedeutet: Eine hohe Sanierungsinvestition erzeugt über viele Jahre enorme steuerliche Verluste, die das zu versteuernde Einkommen massiv reduzieren.

Für jemanden mit 45 Prozent Spitzensteuersatz kann eine Denkmalimmobilie mit 200.000 Euro Sanierungskosten über zwölf Jahre Steuerersparnisse von 80.000 bis 90.000 Euro erzeugen. Das Finanzamt finanziert damit fast die Hälfte der Sanierung.

Aber: Denkmalimmobilien sind komplex. Die Sanierung muss genehmigt werden. Die Auflagen sind streng. Und nicht jedes Denkmalangebot ist seriös. Hier ist professionelle Beratung nicht optional – sie ist zwingend.

Was du beachten musst – die Grenzen dieser Strategie

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich nur die Vorteile nennen würde. Es gibt wichtige Einschränkungen und Risiken, die du kennen musst.

Liebhaberei-Risiko: Das Finanzamt kann die Anerkennung der steuerlichen Verluste verweigern, wenn es davon ausgeht, dass du die Immobilie nicht mit der Absicht betreibst, langfristig Gewinne zu erzielen – sondern nur zur Steueroptimierung. Das nennt sich Liebhaberei. Um dieses Risiko zu vermeiden, musst du nachweisen können, dass du langfristig positive Einkünfte anstrebst. Eine vernünftige Prognoserechnung – die zeigt, wann die Immobilie in den positiven Bereich dreht – ist hier entscheidend.

Liquiditätsrisiko: Der negative Cashflow muss monatlich aus eigener Tasche getragen werden. Wer das nicht komfortabel kann, gerät unter Druck – und ist möglicherweise gezwungen, zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen.

Lagerisiko: Die Wertsteigerungserwartung muss realistisch sein. Eine Immobilie mit negativem Cashflow in einer strukturschwachen Region ohne Wertsteigerungspotenzial ist kein gutes Investment – egal wie hoch der Steuersatz ist.

Immer einen Steuerberater hinzuziehen. Diese Strategie ist komplex. Die individuelle steuerliche Situation entscheidet darüber, ob und wie sie funktioniert. Ohne professionelle Beratung sollte niemand auf Basis dieses Artikels eine Investitionsentscheidung treffen.

Ehrlicher Schluss – was dieser Artikel wirklich sagen will

Cashflow ist wichtig. Positiver Cashflow ist das Ziel für die meisten Immobilieninvestoren – und bleibt der Maßstab für eine gute Kapitalanlage.

Aber wer gut verdient und hohe Steuern zahlt, sollte die steuerliche Dimension nicht ignorieren. Wer das tut, verschenkt möglicherweise eine der mächtigsten legalen Steueroptimierungsstrategien, die im deutschen Recht existieren.

Das Finanzamt beteiligt sich durch die Verlustverrechnung effektiv an den Kosten der Immobilie. Der Mieter baut durch seine Zahlungen das Eigenkapital auf. Die Immobilie steigt langfristig im Wert. Und nach zehn Jahren ist der Verkaufsgewinn steuerfrei.

Für Gutverdienende kann eine Immobilie mit negativem Cashflow – bei richtiger Wahl, richtiger Lage und richtiger Beratung – ein außergewöhnlich attraktives Investment sein. Nicht trotz des negativen Cashflows. Sondern genau deshalb.

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