Warum Angestellte die höchsten Steuern zahlen – und was sie dagegen tun können

Autor: Dominik Kassel

Es gibt eine Ungerechtigkeit im deutschen Steuersystem, die so tief verwurzelt ist, so selbstverständlich geworden ist, dass die meisten Menschen sie gar nicht mehr wahrnehmen. Sie zahlen sie jeden Monat. Kommentarlos. Automatisch. Bevor sie auch nur einen Euro in der Hand haben.

Die Rede ist von der Lohnsteuer. Und von dem System dahinter, das Angestellte zu den am stärksten besteuerten Gruppen in Deutschland macht – während Selbstständige, Unternehmer und Investoren mit denselben Einkommen deutlich weniger zahlen.

Nicht weil sie betrügen. Nicht weil sie cleverer sind. Sondern weil das Steuerrecht für sie gemacht wurde. Das Steuerrecht belohnt Kapital. Es bestraft Arbeit. Und Angestellte verkaufen ausschließlich ihre Arbeit.

Das ist der Kern des Problems. Und dieser Artikel zeigt dir, warum – und was du dagegen tun kannst.

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Der Schmerz – was vom Gehalt wirklich übrig bleibt

Lass mich mit einer Zahl beginnen, die viele Menschen kennen – aber die wenigsten wirklich durchgerechnet haben.

Du verdienst 70.000 Euro brutto im Jahr. Das klingt gut. Das ist in Deutschland überdurchschnittlich. Und trotzdem schaut die Realität nach Steuern und Abgaben so aus:

Einkommensteuer: rund 17.000 Euro. Solidaritätszuschlag: weitgehend abgeschafft, aber für hohe Einkommen noch relevant. Krankenversicherung: rund 3.500 Euro Arbeitnehmeranteil. Pflegeversicherung: rund 900 Euro. Rentenversicherung: rund 4.600 Euro. Arbeitslosenversicherung: rund 840 Euro.

Summe aller Abzüge: rund 27.000 Euro. Netto verbleiben: rund 43.000 Euro. Du hast fast 40 Prozent deines Einkommens abgegeben – bevor du auch nur eine einzige Ausgabe getätigt hast.

Und das ist nur der Arbeitnehmeranteil. Dein Arbeitgeber zahlt nochmal einen ähnlichen Betrag an Sozialabgaben obendrauf – Geld, das du nie siehst, das aber Teil deines Wertes für den Arbeitgeber ist. Der wahre Steuer- und Abgabensatz auf deine Arbeit ist damit noch deutlich höher als die 40 Prozent, die du spürst.

Warum Angestellte besonders hart besteuert werden – die strukturellen Gründe

Das ist keine Verschwörung. Es ist Struktur. Und die Struktur hat historische, politische und wirtschaftliche Gründe – die aber für dich wenig relevant sind. Relevant ist, wie sie sich in deinem Portemonnaie auswirkt.

Grund eins: Keine Möglichkeit zur Kostensenkung. Ein Unternehmer kann Betriebsausgaben absetzen – Büro, Auto, Reisen, Mitarbeiter, Weiterbildung. Sein zu versteuerndes Einkommen ist der Gewinn nach allen Kosten. Ein Angestellter kann nur die Werbungskostenpauschale von 1.230 Euro geltend machen – und muss alles darüber hinaus einzeln und mühsam nachweisen. Die meisten tun es nicht. Das Ergebnis: Angestellte versteuern fast ihr gesamtes Einkommen. Unternehmer oft nur einen Bruchteil davon.

Grund zwei: Quellenbesteuerung ohne Gestaltungsmöglichkeit. Bei Angestellten wird die Steuer direkt an der Quelle einbehalten – durch den Arbeitgeber, automatisch, monatlich. Keine Möglichkeit zur Stundung. Keine Möglichkeit zur Gestaltung. Das Geld ist weg, bevor du es siehst. Unternehmer zahlen vierteljährliche Vorauszahlungen und haben damit mehr Flexibilität.

Grund drei: Keine Trennung zwischen Privatem und Geschäftlichem. Was ein Unternehmer als Betriebsausgabe absetzen kann – ein Geschäftsessen, ein Seminarbuch, das Homeoffice – ist für einen Angestellten privat. Das Steuerrecht zieht hier eine klare Linie. Und Angestellte stehen auf der falschen Seite.

Grund vier: Progressiver Steuertarif ohne Gegenmaßnahmen. Je mehr du verdienst, desto höher dein Steuersatz. Das gilt für alle – aber Angestellte ohne Investitionen haben keine Möglichkeit, diesen Anstieg abzumildern. Kein steuerlicher Verlust aus Vermietung. Keine Abschreibungen. Keine Betriebsausgaben. Nur der volle progressive Steuertarif.

„Das Steuerrecht wurde nicht für Angestellte optimiert.“

Der direkte Vergleich – Angestellter vs. Angestellter mit Immobilie

Jetzt wird es konkret. Ich vergleiche zwei Menschen – gleiche Ausgangssituation, ein entscheidender Unterschied.

Person A – reiner Angestellter: 90.000 Euro Bruttoeinkommen. Steuern und Abgaben: rund 32.000 Euro. Netto: 58.000 Euro. Keine weiteren steuerlichen Stellschrauben. Alle 90.000 Euro voll zu versteuern – abzüglich der Werbungskostenpauschale.

Person B – Angestellter mit Mietimmobilie: Ebenfalls 90.000 Euro Bruttoeinkommen. Zusätzlich eine Mietimmobilie mit einem steuerlichen Verlust von 5.000 Euro im Jahr – durch AfA, Zinsen und Werbungskosten. Zu versteuerndes Gesamteinkommen: 85.000 Euro. Steuerersparnis durch die Immobilie: rund 2.100 Euro jährlich.

Nach zehn Jahren: Person A hat 21.000 Euro mehr Steuern gezahlt als Person B – bei gleichem Bruttoeinkommen. Gleichzeitig hat Person B durch Tilgung und Wertsteigerung der Immobilie erhebliches Eigenkapital aufgebaut. Und die Immobilie beginnt in Phase zwei positiven Cashflow zu generieren.

Gleiche Arbeit. Gleiches Gehalt. Fundamental unterschiedliche Vermögenssituation – allein durch eine Entscheidung.

Was Angestellte konkret tun können – die vier wirksamsten Hebel

Ich möchte nicht bei der Problemanalyse stehenbleiben. Das wäre zu einfach. Hier sind die vier wirksamsten Maßnahmen, mit denen Angestellte ihre Steuerlast legal reduzieren können.

Hebel eins: Mietimmobilien kaufen und steuerliche Verluste generieren. Das ist der mit Abstand mächtigste Hebel für Angestellte. Steuerliche Verluste aus Vermietung und Verpachtung können mit dem Gehalt verrechnet werden – und reduzieren damit direkt die Einkommensteuer. Je höher das Gehalt und der Steuersatz, desto größer dieser Effekt. Eine gut gewählte Mietimmobilie ist für Angestellte nicht nur ein Vermögenswert – sie ist ein Steuerwerkzeug.

Hebel zwei: Werbungskosten konsequent geltend machen. Viele Angestellte verschenken Steuern, weil sie ihre tatsächlichen Werbungskosten nicht geltend machen. Homeoffice-Pauschale, Arbeitsmittel, Fachliteratur, Berufskleidung, Fortbildungen, Fahrtkosten – all das kann über die Pauschale hinaus abgesetzt werden, wenn man es nachweist. Der Aufwand ist überschaubar. Die Ersparnis kann erheblich sein.

Hebel drei: Altersvorsorge steuerlich nutzen. Beiträge zur Basisrente (Rürup) sind bis zu bestimmten Höchstbeträgen steuerlich absetzbar. Für gut verdienende Angestellte kann das eine erhebliche Steuerersparnis bedeuten – auch wenn man dabei die Liquidität in einem Vorsorgeprodukt bindet. Ob das sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab.

Hebel vier: Steuerberater mit Immobilienerfahrung einschalten. Nicht als letzte Option – als ersten Schritt. Ein guter Steuerberater kennt alle legalen Möglichkeiten und kann die individuelle Situation analysieren. Gerade für Angestellte mit höherem Einkommen amortisiert sich ein Steuerberater in der Regel innerhalb des ersten Jahres durch die Ersparnisse, die er identifiziert.

Warum Immobilien der stärkste Hebel für Angestellte sind – nochmal im Klartext

Ich möchte das noch einmal explizit sagen – weil es der Kernpunkt dieses Artikels ist.

Als Angestellter hast du im deutschen Steuersystem nur wenige Stellschrauben. Die meisten davon sind klein. Werbungskosten, Altersvorsorge, Sonderausgaben – all das kann helfen, aber die Wirkung ist begrenzt.

Immobilien sind anders. Weil sie steuerliche Verluste in einer Größenordnung erzeugen können, die andere Maßnahmen weit übersteigt. Weil AfA, Zinsen und Werbungskosten zusammen die Mieteinnahmen regelmäßig übersteigen – und der entstehende Verlust direkt mit dem Gehalt verrechnet wird. Weil dieser Effekt Jahr für Jahr wirkt – solange du die Immobilie hältst und der Kredit läuft.

Und weil Immobilien gleichzeitig Vermögen aufbauen – durch Tilgung, Wertsteigerung und irgendwann positiven Cashflow. Es ist das einzige Instrument, das gleichzeitig Steuern reduziert und Vermögen aufbaut. Für Angestellte gibt es nichts Vergleichbares.

Der erste Schritt – und warum er heute sein sollte

Ich weiß, was viele jetzt denken. „Klingt gut – aber ich bin noch nicht so weit.“ Zu wenig Eigenkapital. Zu wenig Wissen. Zu viele offene Fragen.

Diese Einwände sind real. Aber sie sind keine Gründe zu warten – sie sind Aufgaben, die gelöst werden können.

Eigenkapital lässt sich aufbauen – durch konsequentes monatliches Sparen und Investieren. Wissen lässt sich erwerben – durch Bücher, Gespräche, diesen Blog. Offene Fragen lassen sich klären – durch einen guten Steuerberater und einen erfahrenen Makler.

Was sich nicht aufbauen lässt: die vergangene Zeit. Jedes Jahr, das du als reiner Angestellter ohne Gegenmaßnahmen verbringst, ist ein Jahr, in dem du überdurchschnittlich Steuern zahlst – ohne Gegenleistung. In dem andere mit deinen Mietezahlungen Vermögen aufbauen. In dem der Zinseszinseffekt nicht für dich arbeitet.

Der beste Zeitpunkt war gestern. Der zweitbeste ist heute. Fang an.

Ehrlicher Schluss – was dieser Artikel wirklich sagen will

Ich bin selbst Angestellter gewesen. Ich kenne das Gefühl, jeden Monat einen erheblichen Teil des Einkommens abzugeben – ohne Hebel, ohne Gegenmaßnahme, ohne das Gefühl, irgendetwas daran ändern zu können.

Und ich kenne den Moment, in dem sich das ändert. In dem man versteht, wie das System wirklich funktioniert. In dem man die erste Immobilie kauft – und zum ersten Mal steuerliche Verluste mit dem Gehalt verrechnet. In dem man spürt: Das System, das mich bisher belastet hat, arbeitet jetzt für mich.

Das ist kein Privileg. Es ist Wissen. Und Wissen ist – in diesem Fall ganz wörtlich – bares Geld.

Angestellte zahlen die höchsten Steuern. Aber sie müssen es nicht für immer tun. Der Ausweg ist real, legal und zugänglich – wenn man ihn kennt und den ersten Schritt macht.

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