So analysiere ich Aktien – meine 3 Schritte bevor ich kaufe

Autor: Dominik Kassel

Ich erinnere mich noch genau an meine ersten Jahre als Investor. Ich habe Aktien gekauft, weil jemand in einem Forum davon geschwärmt hat. Weil eine Schlagzeile mich neugierig gemacht hat. Weil der Chart gerade gut aussah. Weil ich das Unternehmen kannte und mochte.

Manchmal hat das funktioniert. Meistens nicht so gut wie erhofft. Und irgendwann habe ich verstanden, warum: Wer ohne System investiert, investiert auf Basis von Gefühlen. Und Gefühle sind an der Börse ein schlechter Ratgeber. Das gilt für Angst genauso wie für Euphorie.

Heute ist das anders. Nicht weil ich alles weiß – das tue ich nicht. Nicht weil ich nie falsch liege – das tue ich. Sondern weil ich ein System habe. Drei Schritte, die ich bei jeder Aktie durchlaufe, bevor ich auch nur einen Euro investiere. Drei Schritte, die Emotionen heraushalten und Klarheit hineinbringen.

In diesem Artikel zeige ich dir mein persönliches Vorgehen – ehrlich, konkret, aus meiner eigenen Praxis als leidenschaftlicher Dividenden-Investor. Wichtiger Hinweis vorab: Das hier ist keine Anlageberatung. Nur meine persönlichen Gedanken und mein individuelles Vorgehen. Jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen.

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Warum ein System so wichtig ist – und was ohne es passiert

Stell dir vor, du kaufst ein Auto. Würdest du dir alle 60.000 Autos anschauen, die es weltweit gibt? Natürlich nicht. Du definierst Rahmenbedingungen: Kraftstoffart, Preis, Baujahr, Marke. Du schließt aus. Du filterst. Du fokussierst dich auf das, was zu dir passt.

Genau das mache ich mit Aktien. Weltweit gibt es Tausende handelbare Unternehmen. Niemand kann sie alle analysieren. Und wer versucht, alles zu beobachten, beobachtet am Ende nichts richtig.

Mein System löst dieses Problem. Es ist keine Garantie für Erfolg – die gibt es an der Börse nicht. Aber es ist eine Schablone, die mir hilft, schnell und diszipliniert vorzugehen. Und die mich davor schützt, impulsiv in Aktien einzusteigen, die nicht zu meiner Strategie passen.

Bevor du meine drei Schritte liest, noch ein wichtiger Gedanke: Kopiere nicht blind, was ich mache. Meine Strategie passt zu mir – zu meinen Zielen, meinem Zeithorizont, meiner Risikobereitschaft. Deine Strategie muss zu dir passen. Nimm was sinnvoll ist, lass weg was nicht passt, ergänze was du brauchst.

Schritt 1: Grobe Vorauswahl – welche Aktien kommen überhaupt in Frage?

Im ersten Schritt geht es darum, aus der Masse an möglichen Unternehmen schnell diejenigen herauszufiltern, die meine grundlegenden Kriterien erfüllen. Das ist kein Deep-Dive – es ist ein erster Siebvorgang.

Mein wichtigstes Kriterium: Unterbewertung. Ich kaufe keine Aktien, die fair oder überbewertet sind. Ich warte auf Momente, in denen gute Unternehmen günstiger zu haben sind als sie eigentlich wert sind. Das passiert durch allgemeine Marktpanik, durch schlechte Quartalszahlen die kurzfristig schrecken aber langfristig irrelevant sind, oder durch Unsicherheiten in der Branche die ich für übertrieben halte.

Branchenverteilung: Ich schaue, in welchen Branchen mein Depot bereits gut aufgestellt ist – und welche noch untergewichtet sind. Es bringt nichts, wenn ich fünf Pharmaunternehmen habe, aber keine Konsumgüter und keine Versorger. Ich gehe Branche für Branche durch und konzentriere mich auf die Lücken.

Geographische Verteilung und Quellensteuer: Mir ist wichtig zu wissen, welche Quellensteuerbelastung ein Land mitbringt. Länder mit einer Quellensteuer die sich nicht vollständig auf die deutsche Abgeltungssteuer anrechnen lässt, machen den Ertrag komplizierter. Das ist kein absolutes Ausschlusskriterium – aber es fließt in meine Abwägung ein.

Marktkapitalisierung: Ich fokussiere mich auf Unternehmen mit einer Milliarden-Marktkapitalisierung. Nicht weil kleine Unternehmen schlecht sind – sondern weil große, etablierte Konzerne in Krisen schlicht stabiler agieren können. Sie haben Ressourcen, Marktmacht und Strukturen, die kleinen Unternehmen fehlen.

Dividendenkontinuität vor Dividendenrendite: Das ist ein Punkt, über den viele Einsteiger stolpern. Eine hohe Dividendenrendite klingt verlockend – aber sie ist kein Qualitätsmerkmal. Ein Unternehmen, das seit dreißig Jahren seine Dividende jährlich erhöht hat, zeigt mir viel mehr über seine Qualität als ein Unternehmen mit momentan hoher Rendite. Die Kontinuität zählt. Die Zuverlässigkeit. Die Disziplin über Jahrzehnte.

                               Ich suche nicht nach der höchsten Rendite. Ich suche nach der verlässlichsten Rendite. Das ist ein fundamentaler Unterschied – und er verändert alles.

Schritt 2: Kennzahlen und Fundamentalanalyse – was steckt wirklich dahinter?

Wer Schritt 1 gut gemacht hat, hat die Masse der Aktien bereits auf wenige interessante Kandidaten reduziert. Jetzt geht es darum, tiefer zu schauen. Nicht stumpf Kennzahlen abzuarbeiten – sondern zu verstehen, warum ein Unternehmen gerade so dasteht wie es dasteht.

Zuerst: Die aktuelle Situation verstehen. Bevor ich eine einzige Kennzahl anschaue, lese ich die Nachrichten der letzten Wochen und Monate zu dem Unternehmen. Was beschäftigt das Management gerade? Gibt es Rechtsstreitigkeiten? Auslaufende Patente? Probleme in einzelnen Märkten? Diese Informationen geben mir den Kontext, ohne den Kennzahlen oft wenig aussagen.

Ich schaue mir auch den Chart der letzten zwei bis fünf Jahre an – nicht für Chartanalyse im technischen Sinne, sondern um ein Gefühl zu bekommen: Wann hat die Aktie stark nachgegeben? Was war der Grund? Wie hat sie sich im Vergleich zu ihrem Leitindex verhalten? Diese Fragen helfen mir, die aktuelle Situation besser einzuordnen.

Dividendenqualität genau unter die Lupe nehmen. Ich schaue nicht nur, ob Dividende gezahlt wird – sondern wie. Wie stark wächst die Dividende jährlich? Eine Erhöhung von 15 Prozent im Jahr ist etwas völlig anderes als eine symbolische Erhöhung von 0,5 Prozent. Ich will echtes Wachstum – nicht Alibi-Anpassungen.

Dazu kommt die Ausschüttungsquote – also der Anteil des Gewinns, der als Dividende ausgezahlt wird. Eine Quote von 30 bis 50 Prozent ist für mich komfortabel: Das Unternehmen zahlt vernünftig aus und hat gleichzeitig ausreichend Spielraum, um auch in schlechten Jahren die Dividende aufrechtzuerhalten. Wer mehr als 80 oder sogar 100 Prozent seines Gewinns ausschüttet, zahlt auf Pump – und das geht irgendwann schief.

Umsatz, Gewinn und freier Cashflow. Drei Zahlen, die ich im Mehrjahresvergleich betrachte. Wachsen Umsatz und Gewinn langfristig? Gibt es nachvollziehbare Einbrüche – und haben sich die Gewinne danach erholt? Und vor allem: Entspricht der ausgewiesene Gewinn auch dem tatsächlich erwirtschafteten freien Cashflow? Unternehmen die hohe Gewinne ausweisen, aber wenig freien Cashflow generieren, machen mir Bauchschmerzen.

Verschuldung im Branchenkontext. Eine hohe Verschuldungsquote ist nicht automatisch schlecht – es kommt auf die Branche an. Immobilienunternehmen sind strukturell höher verschuldet als Konsumgüterhersteller. Was mich interessiert ist: Wie lange bräuchte das Unternehmen bei aktuellem Cashflow, um seine Schulden zu tilgen? Je kürzer, desto besser. Und: Wie steht es im Vergleich zur direkten Konkurrenz da?

Rentabilität als Qualitätsmerkmal. Unternehmen die konstant und profitabel wirtschaften, zeigen über Jahre hinweg was sie wirklich können. Ich schaue mir die EBIT-Marge und die Eigenkapitalrendite im Zeitverlauf an. Wer hier stabil oder sogar wachsend ist, wirtschaftet effizient – und das ist ein starkes Qualitätssignal.

Wenn dich das Thema Aktienanalyse, Dividenden und Vermögensaufbau interessiert – im Blog auf ReichanZeit.de findest du Dutzende weitere ehrliche Artikel dazu.

Schritt 3: Den richtigen Einstiegspunkt finden – Geduld als Wettbewerbsvorteil

Ich habe ein gutes Unternehmen gefunden. Die Kennzahlen stimmen. Die Dividendenhistorie überzeugt. Die aktuelle Situation ist nachvollziehbar. Jetzt kommt der letzte Schritt – und er ist oft der schwerste, weil er Geduld verlangt.

Niemand trifft den absoluten Tiefpunkt. Das ist keine Niederlage – das ist eine Tatsache. Wer auf den perfekten Einstieg wartet, wartet meistens zu lange und kauft dann doch zu hoch, weil die Angst größer wird als die Geduld. Mein Ziel ist nicht der Tiefstpunkt – mein Ziel ist ein fairer bis günstiger Preis innerhalb einer vernünftigen Bandbreite.

Ich arbeite mit Einstiegsbereichen. Ich schaue mir an, wo sich die Aktie in den letzten drei bis fünf Jahren bewegt hat. Wo lagen temporäre Tiefs? Wo gab es Unterstützungszonen? Welcher Kursbereich wäre für mich eine attraktive Einstiegszone – realistisch erreichbar, aber deutlich günstiger als heute?

Dann richte ich mir Kursalarme ein und warte. Ich sitze nicht täglich vor dem Bildschirm. Ich beobachte nicht stündlich Kursbewegungen. Das kostet Zeit und erzeugt Emotionen – beides will ich vermeiden. Stattdessen lasse ich das System für mich arbeiten: Wenn der Kurs meine definierte Zone erreicht, werde ich informiert und kann dann in Ruhe entscheiden.

Ich arbeite auch mit Limit-Orders – ich gebe dem Broker vor, zu welchem Höchstpreis er für mich kaufen soll. Das schützt mich davor, in der Hitze des Moments zu einem Kurs zu kaufen, der eigentlich zu teuer ist. Die Order läuft. Ich warte. Entweder wird sie ausgeführt – oder ich justiere sie, wenn sich die Situation verändert hat.

Was passiert wenn ein gutes Unternehmen nie in meine Zone kommt? Dann kaufe ich es nicht. Das klingt frustrierend – und manchmal ist es das auch. Aber Disziplin bedeutet, auch dann nein zu sagen, wenn eine Aktie attraktiv wirkt. Wer zu teuer kauft, startet mit einem Nachteil. Und dieser Nachteil lässt sich nur schwer aufholen.

Wie diese drei Schritte zusammenspielen – ein ehrliches Beispiel

Lass mich das an einem fiktiven aber realistischen Beispiel zeigen. Stell dir vor, ein Konsumgüterhersteller der seit vierzig Jahren seine Dividende jährlich erhöht, gerät in schlechte Nachrichten – ein Produktrückruf, ein schwaches Quartal, vielleicht eine Gewinnwarnung. Der Kurs fällt deutlich.

In Schritt 1 frage ich: Passt dieses Unternehmen generell zu meiner Strategie? Dividendenkontinuität – ja. Marktkapitalisierung – ja. Branche – passt in mein Portfolio. Es kommt durch die erste Stufe.

In Schritt 2 frage ich: Was steckt hinter dem Kursrückgang? Ist der Rückruf ein einmaliges Ereignis – oder ein Zeichen für tiefere strukturelle Probleme? Wie stehen Umsatz, Gewinn und Cashflow langfristig da? Hat das Unternehmen in früheren Krisen die Dividende gehalten oder sogar erhöht? Wenn die Antworten mich überzeugen, bleibt es auf meiner Liste.

In Schritt 3 definiere ich einen Einstiegsbereich. Der Kurs ist gefallen – aber ist er fair genug? Ich schaue, wo historische Tiefs lagen. Ich definiere eine Zone die ich für attraktiv halte. Ich richte einen Alarm ein. Und dann warte ich.

Dieses Vorgehen ist nicht aufregend. Es macht keine guten Geschichten auf Partys. Aber es funktioniert – weil es Emotionen durch Struktur ersetzt.

Meine wichtigsten Quellen für die Aktienanalyse

Ich werde oft gefragt, wo ich meine Informationen herhole. Hier sind die Quellen, die ich selbst regelmäßig nutze:

Für aktuelle Nachrichten und Hintergründe zu einzelnen Aktien nutze ich deutsche Finanzportale für schnelle Übersichten sowie internationale englischsprachige Quellen für tiefere Einblicke. Bei ausländischen Quellen: Sprachbarriere kein Problem – Texte lassen sich in Sekunden übersetzen, gut genug um die wesentlichen Informationen herauszufiltern.

Für Dividendenhistorie und -qualität gibt es spezialisierte Portale die einen schnellen Überblick über die Ausschüttungshistorie, die Wachstumsrate und die Kontinuität geben. Diese Daten sind öffentlich und kostenlos verfügbar.

Für fundamentale Kennzahlen im Mehrjahresvergleich nutze ich Portale, die Daten über zehn bis zwanzig Jahre hinweg aggregieren. Wer nur Quartalsdaten anschaut, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Für den Branchenvergleich schaue ich mir Unternehmen nie isoliert an. Ich vergleiche immer mit den direkten Wettbewerbern. Erst im Vergleich wird klar, ob eine Kennzahl wirklich gut oder schlecht ist.

Was ich aus Fehlern gelernt habe – drei ehrliche Rückblicke

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich so täte, als wäre mein System unfehlbar. Es ist es nicht. Hier sind drei Dinge, aus denen ich gelernt habe:

Zu schnell beim Einstieg. Ich habe in meinen frühen Investorenjahren zu oft gekauft, bevor ich Schritt 2 wirklich abgeschlossen hatte. Die Aktie sah günstig aus – und war es auch. Aber ich hatte die Hintergründe nicht verstanden. Das Ergebnis: längere Wartezeiten, mehr Unsicherheit, weniger Gelassenheit beim Halten.

Zu wenig Geduld in Schritt 3. Mehrfach habe ich am oberen Ende meiner definierten Zone gekauft – weil ich Angst hatte, die Chance zu verpassen. Manchmal war das in Ordnung. Manchmal wäre etwas mehr Geduld besser gewesen.

Einzelne Kennzahl zu stark gewichtet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis allein sagt wenig. Eine niedrige Dividendenrendite allein sagt wenig. Erst die Kombination aus mehreren Datenpunkten – und vor allem der Vergleich mit der eigenen Geschichte des Unternehmens und der Branche – ergibt ein vollständiges Bild.

Ehrlicher Schluss – warum dieses System zu Freiheit führt

Ich beschäftige mich mit Aktien nicht weil ich reich werden will im Sinne von: viele Dinge besitzen. Ich beschäftige mich damit, weil ich verstanden habe, dass passives Einkommen Freiheit schafft. Freiheit über die eigene Zeit. Freiheit, Entscheidungen aus Überzeugung zu treffen statt aus finanzieller Not.

Dividenden die jeden Monat kommen – ob ich arbeite oder nicht, ob ich reise oder zuhause sitze, ob es Sommer oder Winter ist – das ist keine abstrakte Idee. Das ist eine konkrete, messbare, wachsende Realität. Aufgebaut durch Analyse. Durch Geduld. Durch drei Schritte, die ich konsequent anwende.

Fang an. Mit dem System das zu dir passt. Mit den Unternehmen die du verstehst. Mit dem Kapital das du hast. Und mit der Geduld, auch dann zu warten, wenn die Versuchung groß ist.

Die Börse belohnt keine Hektik. Sie belohnt Disziplin. Und Disziplin beginnt mit einem System.

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Ich bin Dominik – Unternehmer, Immobilieninvestor und Familienvater. Ich helfe dir, ein Leben aufzubauen, das sich wirklich gut anfühlt. Nicht reicher. Nicht dünner. Sondern ganzer.

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