BUCHEMPFEHLUNG
Der Millionär und der Mönch – Die Reise geht weiter
von Julian Hermsen · Arkana Verlag · ★★★★½ 4,5 / 5
Nach sieben Jahren als Mönch in Thailand kehrt der Hauptdarsteller zurück in seine alte Welt – nicht um zu führen, nicht um zu kontrollieren, sondern einfach um da zu sein. Eine wahre Geschichte über Reichtum, Wandel und Erfüllung, die mich als Unternehmer tiefer getroffen hat als ich erwartet hatte.
Was du mitnimmst: Echte Führungsstärke bedeutet nicht immer einzugreifen – sondern den Mut zu haben, Raum zu lassen. Dieses Buch hat mein Denken und Handeln konkret verändert.
Es gibt Bücher, die man liest. Und es gibt Bücher, die einen lesen. Die einem still und ohne große Geste den Spiegel vorhalten und sagen: Schau mal. Siehst du dich da drin? Der Millionär und der Mönch – Die Reise geht weiter von Julian Hermsen ist für mich so ein Buch. Und ich sage das als jemand, der weiß, wovon er spricht – nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus gelebter Erfahrung.
Ich war jahrelang genau das: der Unternehmer, der funktioniert. Der liefert. Der schleppt, treibt, kontrolliert. Der morgens als erster im Büro ist und abends als letzter rausgeht – und dabei innerlich längst nicht mehr da ist. Ich habe mich an meiner Selbstständigkeit verbrannt. Jahrelang. Und das Schlimmste daran? Ich hab’s nicht mal gemerkt. Nicht wirklich. Nicht rechtzeitig.
Genau deshalb hat mich dieses Buch so erwischt. Nicht weil es laut ist. Sondern weil es flüstert – und trotzdem bis in den Kern trifft.
Worum geht es in diesem Buch?
Julian Hermsen, der bereits mit dem ersten Band Der Millionär und der Mönch hunderttausende Leserinnen und Leser bewegt hat, setzt die Geschichte fort. Diesmal kehrt der Hauptdarsteller – nach sieben Jahren als buddhistischer Mönch in einem Tempel in Thailand – zurück nach Deutschland. Zurück in seine alte Welt: Firma, Strukturen, Menschen, Verantwortung.
Aber er kehrt anders zurück. Nicht um zu führen. Nicht um zu retten. Nicht um zu optimieren oder zu bewerten. Er kommt – um da zu sein. Um zu hören. Um zu geben. Ein Mensch mit offenem Herz in einer Welt, die Herzen lieber schließt.
Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten und ist als Erzählung aufgebaut – kein klassischer Ratgeber, keine Bullet-Point-Sammlung, sondern echte Literatur mit echten Emotionen. Zwischendurch werden, wie schon im ersten Teil, die philosophischen Weisheitsgeschichten des Mönchs eingeflochten – tiefsinnige Gleichnisse, die auf leisen Sohlen kommen und sich fest in deinem Denken verankern.
„Man muss das erste Buch nicht gelesen haben, um von der Handlung begeistert zu werden. Aber wer es gelesen hat, versteht noch eine Ebene mehr.“
Genauso sehe ich das. Ich empfehle trotzdem, mit Teil eins zu beginnen – nicht weil Teil zwei sonst unverständlich wäre, sondern weil du dir etwas nimmst, wenn du die emotionale Reise nicht von Anfang an gehst. Aber auch als eigenständiges Werk ist dieses Buch stark.
Was mich wirklich getroffen hat – drei Momente, die ich nicht vergesse
1. Der Mann, der zurückkommt – ohne zurückzufallen
Es ist eine Szene, die ich wohl lange nicht vergessen werde: Der Hauptdarsteller betritt wieder das Unternehmen, das er einst aufgebaut hat. Alles ist vertraut – und doch ist er ein anderer. Er könnte eingreifen. Er könnte verbessern. Er könnte sagen: Früher haben wir das so gemacht. Aber er tut es nicht.
Und das ist der Moment, der mich als Unternehmer am härtesten getroffen hat.
Wie oft sitze ich in Meetings und kämpfe gegen den Impuls, sofort zu korrigieren? Wie oft bin ich innerlich schon drei Schritte voraus, während jemand anderes noch redet – und meine Ungeduld kaum kaschiere? Ich kenne dieses Muster. Ich habe es jahrelang gelebt. Für mich war Führung lange gleichbedeutend mit Kontrolle. Mit Überblick. Mit Wissen.
Hermsen zeigt in dieser Geschichte, was wirklich starke Führung bedeutet: Zurücktreten. Raum geben. Vertrauen schenken, ohne es an Bedingungen zu knüpfen. Das klingt einfach. Es ist es nicht.
2. Die Weisheitsgeschichten – Philosophie, die nicht belehrt
Was Julian Hermsen in beiden Bänden meisterhaft macht: Er verpackt tiefe Lebensweisheiten in Geschichten, die sich anfühlen wie Unterhaltung – und erst Stunden oder Tage später ihre volle Wirkung entfalten. Kleine Gleichnisse über Geduld, Loslassen, das Ego, den Wert von Stille.
Ich habe einige dieser Passagen zweimal gelesen. Nicht weil sie schwer zu verstehen waren. Sondern weil ich sie beim ersten Mal noch nicht wirklich gehört habe.
Das ist die Kunst dieses Buchs: Es trifft dich nicht sofort. Es sickert. Und dann, irgendwann beim dritten Espresso oder beim Abendspaziergang mit den Kindern, taucht ein Satz auf – und du denkst: Ach so. Genau das meinte er.
3. Reichtum, der nicht auf dem Konto steht
Die zentrale Frage, die das Buch stellt, ist dieselbe, die mich seit Jahren begleitet: Was ist wahrer Reichtum? Was bedeutet Erfolg – wirklich, wenn man ehrlich ist?
Als Immobilieninvestor, als Unternehmer, als jemand, der Zahlen liebt und Renditen versteht – ich hätte diese Frage früher für banal gehalten. Natürlich ist Geld wichtig. Freiheit kostet. Das stimmt alles.
Aber Hermsen bringt mich dazu, die Frage tiefer zu stellen: Freiheit wofür? Reichtum um welchen Preis? Und was bleibt übrig, wenn ich all das wegdenke, was ich besitze oder geleistet habe?
Für mich lautet die Antwort: Zeit. Familie. Präsenz. Das ist auch der Kern von ReichAnZeit – und dieses Buch hat mich in dieser Überzeugung noch einmal bestätigt und gleichzeitig herausgefordert, ehrlicher hinzuschauen, ob ich wirklich so lebe, wie ich sage zu leben.
Was ich liebe – und was mich ein bisschen gestört hat
Ich schreibe hier keine Werberezensionen. Ich schreibe, was ich wirklich denke. Deswegen an dieser Stelle auch ein ehrliches Wort über das, was mich ein bisschen beschäftigt hat.
Teil eins von Der Millionär und der Mönch hatte für mich eine emotionale Wucht, die Teil zwei in dieser Form nicht ganz erreicht. Der erste Band hatte etwas Rohes, fast Schmerzhaftes – eine Dringlichkeit, die mich nicht losgelassen hat. Teil zwei ist ruhiger. Reifer vielleicht. Aber auch ein Stück weniger elektrisierend in den entscheidenden Momenten.
Das ist kein schwerwiegender Kritikpunkt – es ist eher eine andere Energie. Wer Teil eins kennt und auf dieselbe emotionale Achterbahn hofft, sollte wissen: Dieses Buch ist nachdenklicher, stiller, weiser vielleicht. Weniger Sturm, mehr Stille nach dem Sturm.
Und für mich persönlich – in der Phase, in der ich mich gerade befinde – war genau das das Richtige.
Mein persönliches Takeaway
„Führung bedeutet nicht, immer zu wissen. Es bedeutet, den Mut zu haben, nicht einzugreifen – und damit mehr Raum zu schaffen als jede Entscheidung es je könnte.“
Dieses Buch hat mein Denken verändert – konkret
Ich bin kein Mensch, der nach dem Lesen eines Buchs sofort handelt. Ich lasse Dinge sacken. Aber bei diesem Buch habe ich tatsächlich etwas verändert – konkret, im Alltag.
Ich habe angefangen, in Meetings bewusst weniger zu reden. Nicht weil ich nichts zu sagen hätte. Sondern weil ich verstehen wollte, was passiert, wenn ich den Raum halte. Was passiert, wenn ich nicht sofort löse, nicht sofort optimiere, nicht sofort führe – sondern einfach zuhöre. Die Ergebnisse haben mich überrascht. Menschen öffnen sich, wenn du aufhörst, zu viel Raum einzunehmen.
Ich habe auch begonnen, die Weisheitsgeschichten aus dem Buch meinen Kindern abends zu erzählen. Sinngemäß. Und ich merke, wie sie zuhören. Wie sie fragen. Wie Geschichten Brücken bauen können, die Erklärungen nie schaffen würden.
Für mich ist das der Maßstab eines guten Buchs: Es verändert nicht nur, wie du denkst – es verändert, wie du handelst.
Für wen ist dieses Buch?
Dieses Buch ist genau richtig für dich, wenn …
- Du merkst, dass du mit deinem ständigen inneren Kämpfen nicht mehr weiterkommst
- Du als Unternehmer oder Führungskraft das Gefühl hast, dass dein Erfolg dich mehr kostet als er dir gibt
- Du dich fragst, was nach dem Erreichen der nächsten Ziele noch kommt
- Du philosophische Tiefe suchst, aber keine trockenen Sachbücher magst
- Du Teil eins geliebt hast und wissen willst, wie die Reise weitergeht
- Du dir erlauben möchtest, langsamer zu werden – ohne das Gefühl, dabei zu verlieren
Und noch etwas: Du musst Teil eins nicht gelesen haben. Julian Hermsen hat das Buch so gestaltet, dass es auch als eigenständige Geschichte funktioniert. Ich empfehle den ersten Band trotzdem – aber als Einstieg ist auch dieser hier wunderbar.
Mein Fazit – 4,5 von 5 Sternen
Ich habe dieses Buch gelesen, als ich selbst wieder an einem dieser Momente war, in denen man spürt: Irgendwas stimmt nicht. Nicht im Großen. Aber im Kleinen. In der Art, wie ich mit mir umgehe. In der Ungeduld, die sich einschleicht. In dem Gefühl, wieder zu viel zu wollen, zu schnell, zu sehr.
Dieses Buch hat mich nicht gerettet. Aber es hat mich erinnert. An das, was ich eigentlich weiß. An das, was wirklich zählt. Und an die Tatsache, dass wahrer Reichtum nicht auf einem Kontoauszug steht – sondern in den Momenten, in denen du wirklich da bist.
Wenn du gerade an einem Punkt bist, an dem du merkst: Ich kämpfe zu viel – gegen mich, gegen andere, gegen die Zeit – dann lies dieses Buch. Es wird eine Tür öffnen. Und du wirst merken, dass hinter dieser Tür etwas wartet, das du schon lange gesucht hast.
MEIN FAZIT
Der Millionär und der Mönch – Die Reise geht weiter
Julian Hermsen · Arkana Verlag
Ein stilles, tiefes Buch für alle, die merken: Der Kampf gegen sich selbst bringt sie nicht mehr weiter.
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